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EFTA01943420

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DOJ Data Set 10
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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Feuilleton DIENSTAG, 7. JANUAR 2014 • NR. 5 • SEITE 27 Der Weltgeist, der aus der Gegenkultur kam NEW YORK, Anfang Januar D as Internet gab es noch nicht, aber darüber geredet haben sie doch. In New York war es. vor ei- nem halben Jahrhundert. .Cage"• erinnert sich John Brockman, „sprach immer vom Geist, den wir alle tei- len. Das war kein holistischer Quatsch. Das waren tiefgründige kybernetische Ide- en." Zu hören bekam er sie, wenn John Cage, der Musikrevolutionär. Zenmeister und Pilzesammler. ihn und ein paar Freun- de wieder mal mit Pilzen bekochte. Ir- gendwann schickte Cage ihn mit einem Buch nach Hause. „Das ist für dich". sagte er zum Abschied. Und redete danach nie mehr mit Brockman. Was der lange nicht begreifen konnte. John, das ist Zen", er- klärte ihm schließlich ein Freund. "Du brauchst ihn nicht mehr? Norbert Wiener hieß der Autor, „Kyber- netik, Regelung und Nachrichtenübertra- gung in Lebewesen und Maschine" das Buch. Seite um Seite kämpfte sich Brock- man durch den wissenschaftlichen Text, zusammen mit Stewart Brand, seinem Freund. der bald den Whole Earth Cata- log, die Einkaufsfibel und -bibel der um- weltbewegten Gegenkultur. herausgeben sollte. Physik und Mathematik weiteten sich für die beiden Leser in einen unendli- chen Raum, der zwischen natürlichen und geistigen Wissenschaften, Bewusst- sein und Materie. Suchen und Finden kei- nen Unterschied mehr machte. Wie in solch weitschweifigen Gedan- kenabenteuernder sechzigerJahre das In- ternet als Idee heraufdämmerte. so zeich- nete sich damals auch schon Edge ab, der Internetsalon, um den heute Brockmans Leben kreist. Edge. das ist der Treffpunkt für die CybersElite, die erlauchtesten Geister, die das Vorfeld der neuesten na- tur- und sozialwissenschaftlichen Ent- wicklungen prägen, ob nun digital oder gentechnisch, ob psychologisch, kosmolo- gisch oder neurologisch. Jedenfalls mel- den sich bei Brockman nicht nur Digerati aus dem Computeruniversum des Silicon Valley zu Wort, sondern genauso häufig Koryphäen wie die Evolutionsbiologen Richard Dawkins und Steven Pinker, der Philosoph Daniel Dennett, der Kosniolo- ge Martin Rees,die biologische Anthropo- login dielen Fisher, der Okonom. Psycho- loge und Nobelpreisträger Daniel Kahne- man, der Quantenphysiker David Deutsch, der Computerwissenschaftler Marin Minsky, der Sozialtheoretiker An- thony Giddens. Vom Apple-Mitbegrün- der Steve Wozniak bis zum Genoment- schlü.sseler Craig Venter reicht seine Gäs- teliste. die ihresgleichen auch in der gren- zenlosen Weite des Internets kaum fin- den wird. Sogar der Schauspieler Alan Alda und der Schriftsteller lan McEwan sind bei ihm anzutreffen. Zum Anfang jeden Jahres geht eine Fra- ge an alle Salonniers. Diesmal lautet sie: „Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand?" Im _redaktionellen Marschbefehl", den Brockman dazu er- teilt, enthüllt sich auch der Kern von Edge: "Bohrt tiefer als die Nachrichten. Erzählt mir etwas, was ich noch nicht weiß. Ihr schreibt für eure Ko-Edgies, eine anspruchsvolle Bande, nicht für die breite Öffentlichkeit. Schreibt über Ideen, Theorien, Denksysteme, Disziplinen, aber nicht über Personen. Lasst euch was einfallen, seid aufregend, anregend, über- zeugend. Erzählt uns eine tolle Geschich- te. Erstaunt, erfreut und überrascht uns!" Muss er das alles wirklich ausbuchsta- bieren? Gehören doch nicht wenige der Autoren zu seinem Klientenstamm, den er weltweit vermarktet, und sie wissen ge- nau, was er von ihnen erwartet und sie von ihm erwarten können. Als ihr Buch- agent lässt er sich keine Geschäftsgelegen- heit entgehen. ja. er hat sich den Ruf er- worben, erstaunliche Summen beim Ver- kauf von Titeln herauszuschlagen, die, im Lottogewinne Was die Kunststiftung NRW fördert Die Kunststiftung NRW hat für das neue Jahr in einer ersten Tranche För- dermittel in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Wir legen dabei größten Wert auf Nachwuchsförderung`, sagte der Präsi- dent der Stiftung, Fritz Behrens, in Düs- seldorf und führte zwei neue Studien- programme für Tänzer und Choreogra- phen als Beispiele an. Insgesamt gin- gen 231 Anträgeein. von denen 141 be- willigt wurden. Uber eine zweite Mittel- vergabe für 2014 in Höhe von rund zwei Millionen Euro soll im Februar entschieden werden. Der größte Anteil von knapp 4,9 Millionen Euro entfällt auf die Darstellende Kunst. wo 87 Pro- jekte in den Sparten Musik, Tanz und Theater unterstützt werden. Der Visuel- len Kunst wurden 2,2 Millionen Euro für 33 Vorhaben zuerkannt, für Stipen- dien und Auszeichnungen stehen hier 420 000 Euro bereit. In der Literatur werden 27 Projekte mit insgesamt 280 000 Euro gefördert: hinzu kommen 285 000 Euro für Eigeninitiativen und die Herausgabe von Publikationen: Der Band „Stadt Land Fluss" sammelt Ly- rik der letzten fünfundzwanzig Jahre, eine Prosa-Anthologie mit Originalbei- trägen von fünfundzwanzig Autoren versteht sich als literarische Erkun- dung des Landes. Die Kunststiftung NRW, deren Mittel aus Ertragsabgaben von West Lotto an das Land stammen. feiert im Jahr 2014 ihr fünfundzwanzig- jähriges Jubiläum. aro. Sei aufregend, anregend, überzeugend: Das for- dert John Brockman von sich und anderen. Der wohl wichtigste Buchagent der Welt versammelt in seinem Internetsalon „Edge" die Cyber-Elite. Ein Besuch beim Mann der Dritten Kultur. Als John Brockman drei Jahre alt war, kündigte er an: „Ich will nach New York!" Dort zieht er seit Jahrzehnten die Strippen im geistigen Leben. 244444.4 Gegensatz zu Edge, durchaus den populär- wissenschaftlichen Effekt anpeilen. Uber allem aber glitzert der Begriff der Dritten Kultur, die wundersame Formel, die Brockman beschwört, um die Vormacht der gern als hart bezeichneten Wissen- schaften auch bei der quasiphilosophi- schen Vermessung der Welt und unseres Platzes in ihr durchzusetzen. Die Kluft, die der Physiker, Politiker und Romanau- tor C. P. Snow zwischen den zwei Kultu- ren der Natur- und Geisteswissenschaften beklagte, füllt Brockman geschäftstüchtig mit den Bestsellern seiner Dritten Kultur. Das Geschäft, sagt er, geht nicht bloß prima. es ging nie besser. Wer es nicht glauben mag, der statte ihm einen Besuch auf der Eifth Avenue ab, wo Brockman, Inc. sich neuerdings in lichtdurchfluteter Schwerelosigkeit ausdehnt. Von demons- trativer Transparenz die zwei gläsernen Eckbüros. das eine für den Firmengrün- der, dem das Empire State Building bei der Arbeit am papierfreien Schreibtisch über die Schulter schaut, und das andere für seinen Sohn Max, den frischgebacke- nen C.E.O. des Unternehmens. der durch die Riesenfenster die immer wieder atem- beraubende Silhouette des Flatiron Buil- ding ins Visier nehmen kann. Dazwi- schen hat sich stilvoll Katinka Matson nie- dergelassen, Mitbegründerin von Edge und Präsidentin von Brockman Inc., zu- dem Mutter von Max und Geschäfts- und Lebenspartnerin von John, die als Toch- ter eines Literaturagenten das Metier im Blut hat und nun nebenbei auch noch mit ihren überlebensgroß gescannten Blu- menporträts leuchtende Farben in den Bü- roalltag bringt. Brockman, Jahrgang 1941, könnte beru- higt in den Ruhestand gehen und sich un- umschränkt Edge. seinem intellektuellen Hobby, widmen. Aber Edge ist für ihn kein Hobby, kein dem Beruf abgetrotzter Zeitvertreib. "Ich habe nie an Geld ge- dacht. Ich habe immer nur getan, was mich interessierte, und das hat mir immer auch gegeben. was ich für mein Auskom- men brauchte." Bevor er seinen Salon im Internet eröffnete, hatte er unter glei- chem Titel und mit gleicher gedanklicher Ausrichtung einen Newsletter herausgege- ben, dem wiederum der Reality Club vor- angegangen war. "Trippy stuft", also abge- drehtes Zeug, stand da zur Debatte, wenn in den achtziger Jahren eine New Yorker Runde zusammenkam, die in wechseln- Die Roman-Verschaltung der Besetzung den Noch-nicht-Nobel- preisträger Kahneman und den Physiker Freeman Dyson ebenso umfassen konnte wie die Frauenrechtlerin Betty Frieden, den Sozialrevoluzzer Abbie Hoffman und die Filmstars Ellen Burstyn und Dennis Hopper. Ihnen aufgetragen war, einander die Fragen zu stellen, die sie sich selbst stellten. Antworten brauchte es nicht gleich zu geben. Es sollte vor allem ge- fragt werden. Für den Ideenaustausch. wie er ihn sich als Abenteuer wünscht und zugleich beschert. hat Brockman im literarischen New York nie eine Chance gesehen. Der imaginierten Welt zog er die empirische Erforschung unseres Kos- mos vor, im Mikro- und Makroformat. Deswegen musste er aufs Geschichtener- zählen aber nicht verzichten. Die Bücher und die Autoren, die er vermittelt. liefern ihm mit ihren oft spektakulären Erfah- rungsberichten mehr Suspense und Span- nung. als er in jedem Roman zu finden meint. Und sein eigenes Leben? Auch das verdichtet sich, wie er es erzählt, zu einer Ansammlung spannender Geschichten, die in viele Richtungen ausschweifen und doch immer einer klar markierten, sehr persönlichen Grundlinie folgen. Von An- fang an war er neugierig, erlebnishung- rig, wissensdurstig. Brockmans Lebenserzählung beginnt mit dem Ausruf: -Ich will nach New York? Er war drei Jahre alt, lag in einem Krankenhaus in Boston. schwer erkrankt an zerebrospinaler Meningitis. und dies sollen seine ersten Worte gewesen sein. als er aus sechswöchigem Koma erwach- te. Mit neunzehn ist er endlich in New York, an der Columbia Unhersity, wo er ein Wirtschaftsstudium abschließt. Da- nach ist er in der Finanzbranche tätig, trotzdem dreht sich bei ihm nicht alles ums Geld und Geldgeschäft. Die Sechzi- ger schäumen wild auf, und Brockman kann gar nicht anders, als sich in ihren Kulturstrudel zu stürzen. Auf der Bühne des Living Theatre sieht er, wie es im New Yorker Underground zugeht. Ein Kul- turschock, ein Fanal, eine Einladung zum Mitmachen. Aber nicht mit seinem Banjo und seiner Gitarre nimmt Brockman an den avantgardistischen Experimenten teil. sondern mit seinem Talent zum Orga- nisieren. Heute wäre er wohl Kulturmana- ger zu nennen. New York versichert ihm: „Du kannst frei sein." Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Mit Sam Shepard, noch als Kellner zugange, denkt er sich Bühnenaktionen aus. Aus der multimedialen Theater- und Filmszene ist er schnell nicht mehr wegzu- denken. Bei Nam lune Paik und Robert Rauschenberg bestellt er Filme. um ein Filmfestival auszurichten. das ihm von Je- nas Mekas. dem Urvater des amerikani- schen Experimentalfilms, anvertraut wird. Bis ins Lincoln Center schafft er es mit seinen Organisationskünsten und kümmert sich dort um Newcomer wie Bri- an De Palma und Martin Scorsese, wenn er nicht Gäste aus Europa, die Federico Fellini oder auch Jean-Luc Godard hei- ßen mögen, zum Essen ausführt. Im Ibn- tergrund schwebt Jackie Kennedy, noch keine Onassis, durch das Zeittableau. Während der Stern der Beatniks um Al- len Ginsberg und William Burroughs ins Sinken gerät und die Folkszene um Bob Dylan heraufdämmert, schaut Brockman bei Andy Warhol vorbei: nichts für ihn, das drogendurchtränkte Kollektiv in der Factory. Er muss sein eigener Herr sein. Darum klappt es auch nicht mit den ge- genkulturellen Yippies, für die ihn Abbie Hoffman zu rekrutieren gedenkt. Brock- Unser Gehirn leidet mit: Das Lesen fiktiver Geschichten hinterlässt auch Tage nach der Lektüre sichtbare Spuren Für Stephen King war es angeblich Gol- dings Roman „Herr der Fliegen", der sich buchstäblich in seine Hirnwindungen ein- geschweißt und sein Leben verändert ha- ben soll. Neurologisch belegt ist das zwar nicht. Trotzdem kann das jeder leicht nachvollziehen, der selbst prägende Erfah- rungen aus der Lektüre einer fesselnden Story sammelt. Am amerikanischen Cen- ter for Neuropolicy der Emory University in Atlanta hat man sich jetzt entschlossen. den neuronalen Gravuren der Romanlek- türe ganz grundsätzlich und experimentell nachzugehen. Zwölf junge Frauen und neun Männer hat man drei Wochen lang jeden Tag im Hirnscanner durchleuchtet. An neun Abenden sollten sie jeweils eine halbe Stunde lang in Robert Harfis „Pom- peji" lesen, jeweils am Morgen danach wurde ihr Hirn im Kernspintomographen gescannt. Gesucht wurde nach sichtbaren Veränderungen in der Hirnarchitektur. sprich: nach neuen Nervenverbindungen zwischen unterschiedlichen Hirnarealen. Da der neurokulturelle Aufbruch längst eine „neurobiologische Theorie von Er- zählungen" hervorgebracht und akute, wenn auch oft diffuse Hirneffekte empi- risch schon hinlänglich erfasst sind, war den Emory-Forschern vor allem an neu- en, bleibenden Wirkungen literarischer Kopfarbeit gelegen. Und wie es ist, wenn die Hirnforschung mit ihren rechnerge- stützten Bildgebungsverfahren in unsere Seelen blickt — fündig wird sie immer. L 03 an S ag 0 I 0 Stedre 2 4 it it to 12 t t4 18 30 PAY Netzwerk im sen- sorischen Konen: Mit der Lektüre von Harris' „Posn- peil" hat sich was getan im Hirt Nachzulesen in der jüngsten Ausgabe des Journals „Drain Connectivity". Zuallererst waren da die üblichen Trai- ningseffekte. Das kennt man. Immer wenn eine bestimmte Aufgabe wiederholt wird, ob es ums Jonglieren geht oder ums Lesen, etablieren sich in kürzester Zeit neue Nervenverbindungen, insbesondere in den für Bewegung und Koordination zu- ständigen motorischen Hirnarealen. Prak- tisch schon am ersten Tag nach der Abend- lektüre bauten sich auch in der als linker Gyrus angularis bekannten Hirnwindung. einem der wichtigsten Assoziations- und Sprachzentren. sukzessive neue Nerven- bahnen auf. Das Gleiche im hinteren Teil des Schläfenlappens. Was allerdings beim Lesen der packen- den „Pompeji-Fiktion" in den Hirnbildern wirklich hervorstach, waren die mit dem Lesen immer stärker ausgebildeten Ner- vennetze in den für Gefühls- und Angst- wahrnehmung zuständigen somatosenso- rischen Zentren zu beiden Seiten der Großhirnrinde im höchstgelegenen Teil unter der Schädeldecke. Sie waren auch fünf Tage nach der Lektüre noch nachweis- bar. Das ist ein Areal im Übrigen, das auch extrem aktiv wird, wenn Metaphern ver- wendet werden, wenn Sprache also „lebt? Die Interpretation der Hirnforscher: Der e somatosensorische Kotrex könnte der Sitz I einer "Semantik der Verkörperung" sein. da wenn wir mit den Helden leiden — unser cmpathisches Gedächtnis _govisserma- ßen. JOACHIM M0LLER-JUNG man will nicht Revolution machen. Aber: -Die Ideen dahinter haben mich interes- siert." Cage lehrt ihn, die nichtlineare Struktur der Wirklichkeit auf kyberneti- scher Basis wahrzunehmen. Im Rückblick kommt ihm das „wie ein Bauplan fürs In- ternet" vor. Er schreibt ein Buch mit dem Titel "Vom verstorbenen John Brock- man", um darin seine Erfahrungen und Erkenntnisse aphoristisch zu bündeln. Und dann darf er 1965 in Harvard tat- sächlich Bekanntschaft mit dem Computer machen. Es gibt davon genau ein einziges Exemplar, ein Riesending, umwuselt von Männern in weißen Laborkitteln und abge- sichert hinter einer Glasschranke. gegen die er seine Nase drückt. -Ich habe nach so- fort verliebt. Es war reine Magie." Brock- man hat keinerlei Zweifel mehr, dass alles miteinander verbunden ist, die Kunst und die Wissenschaft und die psychedelischen, sen Stroboskopblitzen durchzuckten Shows, durch deren Klanggewirr ein Mar- shall McLuhan seine kommunikationstheo- retischen Botschaften posaunt. Im Esalen Institute, dein kaliforni- schen Bewusstseinslabor am Pazifik, hört er Vorträge von Forschern und genialen Spinnern, deren Namen so gut wie nie- mand an der Ostküste kennt. Ein ungeho- bener Schatz. Ein Erweckungserlebnis. Daraus entsteht 1973, über diesen und je- nen Umweg, seine Agentur. Wieder setzt er sich nur für das ein, was ihn interes- siert. Er kapiert allmählich, dass er eine Goldader entdeckt hat. Oder, wie er sagt. eine Ölquelle — die nicht aufhört zu spru- deln. Von Kopf bis Fuß ist Brockman seit- dem auf Dritte Kultur eingestellt. Namen berühmter Wissenschaftler, Forscher, Un- ternehmer und Sponsoren umschwirren ihn wie Motten das Licht. An seinem Schreibtisch in New York klickt er die Ein- ladung zu einer Party an. für die er mor- gen nach San Francisco fliegt. Unter den Gastgebern befinden sich Google-Mitbe- gründer Sergey Brin, Facebook-Mitbe- gründer Mark Zuckerberg und Art Levin- son, Vorstandsvorsitzender von Apple Inc. und der Biotechfirma Genentech. Es darf stark angenommen werden, dass Brockman derart hochkarätig besetzte Verlustierungen auch genießt. Noch mehr aber genießt er offensicht- lich die Zusammenkünfte auf seiner male- risch verwinkelten Farm in Connecticut. Jeden Sommer macht er sich das intellek- tuelle Vergnügen, sein neuenglisches Idyll für einen Tag oder ein Wochenende in einen Umschlagplatz neuester For- schungsergebnisse und Ideen zu verwan- deln. Aus Princeton und Yale, aus Har- vard und dein MIT, aus dem Silicon Val- ley und New Yorker Chefetagen lädt er sich Denker und Macher und Klienten ein, allesamt Freunde, von denen er erfah- ren will, was auf ihrem Gebiet gerade für Furore sorgt. Die jüngste Ausgabe dieser bukolischen Konferenz unter uralten Ahornbäumen begann mit einer aktuel- len rourdhorizon des Wirtschaftswissen- schaftlers Sendhil Mullainathan, der sich fragte, ob der überbordende Datenstrom nicht auch die qualitative Natur der Wis- senschaft zu gefährden droht. Der Sozial- wissenschaftler Fiery Cushman berichte- te über das Versagen von Algorithmen an- gesichts komplexer Aufgaben, der Experi- mentalphilosoph losulla Knobe übers flüchtige Ich, die Psychologin Aule Gru- ber über das Rätsel der positiven Emoti- on und seine ersten Lösungen. Insgesamt meldeten sich zehn Wissen- schaftler zu Wort an diesem perfekten Sommertag, der jetzt, Edge sei Dank, nicht mehr zu vergehen braucht. Seit No- vember stellt Brockman die Videos der Vorträge ins Netz, bis Februar dürfte der gesamte Tagesablauf vollständig abzuru- fen sein. Nur zu ahnen am Computer ist al- lerdings, mit welcher Lust John Brock- man die von ihm organisierten Gedanken- spiele verfolgt. „Edge-, sagt sein Erfin- der, "das sind für mich Ideen, das ist für mich Kultur." JORDAN MEJIAS Weniger Zuschauer Schlechtes Jahr für Frankreichs Kino Es sind die Zahlen, die man in Frank- reich zu Beginn jedes Jahres mit Span- nung erwartet: Die nationale Kinobi- lanz ist ein guter Seismograph für die Stimmung im Lande. Die Zeiger stehen auf Rot, manche Beobachter sprechen sogar von einem schwarzen Jahr. Die Zahl der Kinobesucher ist um fünf Pro- zent auf 195 Millionen gesunken, nach- dem schon 2012 im Vergleich zu 2011 einen Rückgang gebracht hatte. Grund ist nicht die Krise. sondern die Tatsa- che. dass einheimische Kassenschlager wie „Ziemlich beste Freunde" fehlen. Nur drei französische Filme haben es in die Rangliste der dreißig erfolgreichs- ten geschafft. Das sind auch schlechte Voraussetzungen für den Export, der für das nationale Selbstbewusstsein und die Filmindustrie von großer Be- deutung ist. Im eigenen Land ist der Marktanteil 2013 von vierzig (in beiden Vorjahren) auf 33 Prozent gefallen, je- ner der amerikanischen Filme von 45 auf über sechzig Prozent gestiegen. Man hofft, dass diese Kräfteverschie- bung keinen Langzeit-Trend ankündigt. Für 2014 werden indes vorerst keine französischen Blockbuster erwartet. Umso heftiger wird über das System der Filmförderung diskutiert, das zahlrei- che Flops produziert hat und vom Rech- nungshof unter die Lupe genommen wird. Derweil tröstet sich die Branche damit, dass der umstrittene Film -Blau ist eine warme Farbe" eine Million Zu- schauer in die Kinos lockte. JA. EFTA R1_00403944 EFTA01943420

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